Oliver Niewiadomski – Ein Porträt

Kugel, Würfel, Zylinder — für Oliver Niewiadomski sind die Grundformen der Geometrie die Archetypen des Designs, die sein kreatives Schaffen als Designer wie seine Lehre an der Hochschule für Künste Bremen prägen. „Solche Formen treffen auf Sehgewohnheiten, die das Verstehen erleichtern.“ Dem Gestalter aber geht es natürlich nicht einfach um die Reproduktion bekannter Formen. Es geht um die Interpretation des Themas. Darum, aus dem Vertrauten etwas Überraschendes, Innovatives, etwas Neues zu schaffen.

Ursprünglich wollte der 1963 in Hamburg geborene Niewiadomski Instrumentenbauer werden. „Ich wollte Geigen bauen. Aber die sind, wie sie sind, perfekt.“ Und wie ließe sich das Bestehende weiterdenken, wenn das Perfekte bereits erreicht wurde, Innovatives nur in kleinen Schritten entwickelt werden kann? Und so suchte der Gestalter andere Möglichkeiten, die Herausforderung mit der Perfektion immer wieder neu anzugehen. Denn wer denkt, eine Kugel sei eine Kugel und damit in ihrer Form auserzählt, entfacht eine begeisterte Gegenrede. „Gott steckt im Detail!“ Und dabei geht es nicht um die Verfremdung des Bekannten durch das Hinzufügen schmückender Ornamente. „Auf keinen Fall!“ Niewiadomski lacht – und es ist ihm damit sehr ernst. Das Ziel seiner Gestaltung sind eine klare Formensprache, logische Funktionalität und sinnliche Materialwahl.

„Es geht darum, aus Gegebenem das Beste herauszuholen, Notwendiges zu fordern und das Ergebnis pointiert zu formulieren.“ Ornamente erzählen eine Geschichte, etwas über die Form Hinausweisendes. Niewiadomskis Entwürfe hingegen erzählen in ihrer Klarheit und Reduktion ihre eigene Geschichte. „Meine Entwürfe sind funktional und sprechen die Sinne an.“ Die BULO XL ist zum Beispiel sein Ergebnis der Auseinandersetzung mit der geometrischen Form der Kugel, die er auf eigene Weise interpretiert. Um Licht und Körper zusammenzubringen schnitt der Designer die Form in Scheiben, setzte das Licht in ihr Zentrum und ließ sie, auf einem Fuß ruhend, frei beweglich. Nur Form und Funktion? Oder ist das Herausschneiden nicht doch eine verkehrte Form des Ornaments? Wegnehmen statt Hinzufügen. Niewiadomski schmunzelt, das sei zwar eine gute Frage, aber: Nein.

„Es geht immer darum, eine Form zu entwickeln, die weder ein Zuviel noch ein Zuwenig aufweist.“ Das Bauhaus habe diese Idee zur Maxime erhoben. Bekanntes wurde neu gedacht und auf der Grundlage innovativer technischer Möglich-keiten überraschend anders interpretiert. So eröffneten die Erfindung der Glühbirne oder das Biegen von Stahlrohr völlig neue Räume und boten gestalterische Freiheiten. „Der Freischwinger von Mart Stam war eine intellektuelle Heraus- forderung. Ein Stuhl mit nur zwei Beinen, undenkbar! Es brauchte fünfzig Jahre, bis er tatsächlich verstanden wurde.“

Eine technologische Innovation, welche Niewiadomskis Umgang mit Formen und Themen bereicherte, ist die LED-Technologie. Wie lassen sich die entstehenden Freiräume gestalterisch nutzen? Sein Atelier ist Büro, Labor und Werkstatt zugleich. Hier zeichnet, konstruiert und forscht er an Modellen und Prototypen. „Gestalten ist ein hybrider Prozess. Ideen muss ich ausprobieren, Theorie und Praxis miteinander abgleichen, Potenziale neuer Technologien ausloten.“

Wichtig ist ihm die Unabhängigkeit dieses Prozesses. Das Warten auf die Umsetzung seiner Ideen durch andere würde den Workflow bremsen, weshalb er sich immer wieder neue Technologien aneignet, wenn erforderlich. Gerade habe er Schweißen gelernt, erzählt er, sodass er einen Gedanken in entsprechendem Material gleich nebenan ausprobieren kann. Die Wahl des Materials ist ein sinnlicher Prozess. „Es muss klar und rein sein, nicht von Lügen überlagert.“ Zu Studentenzeiten beizte er alles ab, was von Farbschichten verdeckt wurde – diese Haltung habe sich nicht wesentlich verändert. Design, Maschinen, Architektur, mathematische Skulpturen – Niewiadomski ist vielseitig interessiert und in vielen Themen unterwegs. So entwirft der Bremer Professor für Konstruktive Geometrie für TECNOLINE eine moderne Baubeschlagskollektion. Ein intensiver Entwicklungsprozess mit Charlotta Schnepel, bei dem Material und Technologie eine große Rolle spielen. „Die größte Herausforderung ist der komplizierte Herstellungsprozess“, erzählt Niewiadomski – und die Begeisterung über diese knifflige Aufgabe ist ihm noch immer anzuhören.

Wichtig ist ihm die Unabhängigkeit dieses Prozesses. Das Warten auf die Umsetzung seiner Ideen durch andere würde den Workflow bremsen, weshalb er sich immer wieder neue Technologien aneignet, wenn erforderlich. Gerade habe er Schweißen gelernt, erzählt er, sodass er einen Gedanken in entsprechendem Material gleich nebenan ausprobieren kann. Die Wahl des Materials ist ein sinnlicher Prozess. „Es muss klar und rein sein, nicht von Lügen überlagert.“ Zu Studentenzeiten beizte er alles ab, was von Farbschichten verdeckt wurde – diese Haltung habe sich nicht wesentlich verändert. Design, Maschinen, Architektur, mathematische Skulpturen – Niewiadomski ist vielseitig interessiert und in vielen Themen unterwegs. So entwirft der Bremer Professor für Konstruktive Geometrie für TECNOLINE eine moderne Baubeschlagskollektion. Ein intensiver Entwicklungsprozess mit Charlotta Schnepel, bei dem Material und Technologie eine große Rolle spielen. „Die größte Herausforderung ist der komplizierte Herstellungsprozess“, erzählt Niewiadomski – und die Begeisterung über diese knifflige Aufgabe ist ihm noch immer anzuhören.