Zum 130. Jahrestag von Wilhelm Wagenfeld

Vor 30 Jahren starb mit Wilhelm Wagenfeld einer der wichtigsten deutschen Produktdesigner, Erfinder der bekannten Bauhausleuchte und vieler anderer schöner Dinge. Ein wunderbarer Mensch, der sein Wissen gerne weitergab. Gleich einer seiner ersten Entwürfe wurde sein bekanntester: Ein schlichter Schirm aus Opalglas, der Schaft aus vernickeltem Stahl – Wagenfelds Bauhausleuchte WA24 zählt zu den Designikonen. Wir behalten ihn in dankbarer Erinnerung und führen sein Werk weiter.

Während des Ersten Weltkrieges absolviert Wilhelm Wagenfeld eine Lehre im Zeichenbüro der Bremer Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld. Zudem besucht er zwischen 1916 und 1919 die dortige Kunstgewerbeschule. Zwischen 1919 und 1922 erhält er ein Stipendium an der Staatlichen Zeichenakademie Hanau/Main und läßt sich zum Silberschmied ausbilden.

1923 richtet er eine Werkstatt auf dem Barkenhoff in Worpswede bei Bernhard Hoetger und Heinrich Vogeler ein. Im gleichen Jahr beginnt er sein Studium am Staatlichen Bauhaus in Weimar. In dieser Zeit entwirft Wagenfeld u. a. 1924 seine berühmte Bauhaus-Leuchte.

Nach der Auflösung des Weimarer Bauhauses am 1. April 1925 wird er Mitglied im Deutschen Werkbund und übernimmt eine Assistentenstelle bei Richard Winkelmayer, dem Leiter der Metallwerkstatt der Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst in Weimar. 1928 übernimmt er die Leitung der dortigen Metallwerkstätten. 1930 wird ihm und zahlreichen anderen Lehrkräften der Bauhochschule auf Drängen der im Thüringischen Landtag vertretenen NSDAP gekündigt.

Es folgen ab 1930 freiberufliche Tätigkeit und ein Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministeriums zur Betreuung heimarbeitender Glasbläser. Zudem kann er ab 1931 an der Staatlichen Kunsthochschule Grunewaldstraße in Berlin-Schöneberg unterrichten und wird als freiberuflicher Mitarbeiter bei dem Jenaer Glaswerk Schott & Gen. tätig. Von 1935 bis 1947 wird er künstlerischer Leiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser/Oberlausitz. 1937 wird sein auf der Pariser Weltausstellung ausgestelltes Werk mit dem Grand Prix ausgezeichnet. 1940 ehrt ihn die Mailänder Triennale mit dem gleichen Preis.

Nach Kriegsdienst 1944 und -gefangenschaft 1945 kehrt Wagenfeld nach Weißwasser zurück. In der Folge erhält er zahlreiche Berufungen an Hochschulen; u. a. erhält er durch Hans Scharoun eine Dozentur an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin sowie die Leitung der Abteilung Typisierung und Normung am Institut für Bauwesen der Deutschen Akademie der Wissenschaften. 1949 erhält Wagenfeld eine Referentenstelle für Industrielle Formgebung im Württembergischen Landesgewerbeamt in Stuttgart. Zwischen 1950 und 1977 arbeitet er mit der Württembergischen Metallwarenfabrik AG (WMF) in Geislingen zusammen. 1954 gründet er in Stuttgart die Versuchs- und Entwicklungswerkstatt für Industriemodelle, die bis 1978 besteht. Hier werden Entwürfe für zahlreiche Industrieunternehmen entwickelt, u. a. für die Rosenthal-Porzellan AG, die Firma Peill & Putzler Glashüttenwerke GmbH, die Firma Braun und die Pelikan-Werke.

"Weiter wirken in die Zeit hinein."