Der Leuchtenprofessor — Die Sammlung von Prof. Dr. Klaus Struve

Gleich hinter der Haustür stapeln sich Kartons, liegen Leuchten und Türbeschläge, stehen Möbel. „Entschuldigen Sie das Durcheinander“, Prof. Dr. Klaus Struve schlängelt sich durch sein Wohnzimmer, „die Sachen kommen gerade alle von einer Ausstellung zurück“. Nichts Ungewöhnliches im Leben des 79-jährigen Oldenburgers. Mit seiner Sammlung „Zweck und Form“ ist er weit über den norddeutschen Raum hinaus bekannt.

Seine Sammlung ist umfassend. Einiges daraus findet sich in Struves Eigenheim, ein 1934 errichtetes Einfamilienhaus, dessen Ausstattung er rekonstruierte und komplettierte. „Die Herausforderung war es, alle Leuchten zu beschaffen“, erzählt der promovierte Berufs- und Hochschullehrer stolz. Die Originalobjekte des Wohnhauses gehörten bis in die 1950er-Jahre zur Standardausstattung freistehender Ein- und Zweifamilienhäuser. Und fallen somit nicht ganz zufällig in sein sammlerisches Interessengebiet. „Schwerpunkte meiner Sammlung sind Objekte industrieller Produktion, die in jedem Haus, in jedem Raum installiert und benutzt wurden bzw. werden.“ Struve interessieren nicht handwerklich geschaffene Produkte, sondern Produkte maschineller Massenproduktion. Jene seriellen Kunstwerke, die in den Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg entworfen wurden. „Interessant sind für mich die Entwurfsarbeiten aus dem Bauhaus, ist die Wirkungsgeschichte der 1920er-Jahre.“ Damals, so die Idealvorstellung, sollte jeder Mensch in einem gewissen Wohlstand und gestalterisch hochwertigen Umfeld wohnen können. Die Kehrseite der seriellen Ausstattung: die Verschwendung. „Häuser wurden ohne Rücksicht auf das historisch Wertvolle modernisiert. Viele meiner Objekte habe ich aus Containern gerettet.“ Man hört, wie sehr ihm das Bewahren dieser Schätze am Herzen liegt. Wer allerdings glaubt, es gehe nur um die Anhäufung gleichartiger Produkte, der irrt.

„Spannend für mich als Sammler ist die ständige Veränderung serieller Produktionen.“ Glasschirme in verschiedenen Farben, technisch bedingte Formanpassungen – in kleinen Details des gleichen Leuchtentyps finden sich Abweichungen, die das Serielle zum Besonderen machen. Sammler Struve ist in seinem Element. „Ich bin im ständigen Austausch mit Kollegen, über die Bestimmung von Objekten, ihre Markteinführung, den Zeitraum der Produktion und die Verwendung verschiedener Sammlungsobjekte.“

Kein Leichtes also, sich zu begrenzen. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Schwerpunkte in Struves Sammlung. Neben Leuchten und Türgarnituren finden sich ein paar Industrie- und sogenannte Mutteruhren mit Nebenuhren für den Gebrauch in Fabriken und Möbel aus gebogenem Buchenholz. Diese Bugholzmöbel gehörten einst zu den ersten Sammlungsobjekten, Produkte des industrialisierten Möbelbaus, Wiener Kaffeehaus-Möbel. Wie kann bei einer solchen Fülle von Objekten die Übersicht bewahrt werden? „Die Archivierung aller Sammlungsobjekte ist noch unvollständig“, gesteht Struve. Die professionelle Lagerung von Archivalien zur Geschichte der Leuchten und Beschläge ist aufwendig – und vor allem platzraubend. Hunderte von Decken-, Wand- und (Schreib-) Tischleuchten, etwa tausend Türgarnituren und eine Vielzahl an Bugholzmöbeln stehen, liegen oder hängen in Regalen, auf Tischen und an Wänden in einer Lagerhalle. Sortieren? Nummerieren? Es gibt Wichtigeres zu tun.

Zwischen den Regalmetern finden sich unterschiedlich ausgestattete Arbeitsplätze: Der gelernte Steinmetz restauriert seine Fundstücke, soweit es geht, selbst. Seine Sammelleidenschaft diene nicht dem Selbstzweck, wichtig sei ihm vielmehr das Bewahren von Kulturgütern. „Mein Ziel ist es, die Dinge so zu restaurieren, dass sie wieder dauerhaft benutzt werden können“, betont Struve. Gestaltung und Schönheit der historischen Objekte sollen so auch weiterhin wahrgenommen werden. Das bedeutet nicht, dass seine Fundstücke nicht auch abweichend genutzt werden dürfen. Eine Leuchte kann zur Skulptur, zu einem Kunstwerk werden, und ein Türknauf darf durchaus auch als Briefbeschwerer auf einem Schreibtisch seinen Platz finden.

„Sortieren? Nummerieren? Es gibt Wichtigeres zu tun."

Auf dem Weg zum Ausgang der Lagerhalle umkurvt Prof. Struve wieder geschickt Abgestelltes und Gestapeltes. Fällt es nicht schwer, etwas wegzugeben, wenn die Suche nach dem Schmuckstück lang und der Aufwand der Restaurierung hoch waren? „Nein!“ Klaus Struve schüttelt nachdrücklich den Kopf. „Die Dinge müssen doch benutzt werden!“

Historische Leuchten, vor allem aus der Bauhaus-Zeit, Bugholzmöbel und Türbeschläge machen den Großteil der beeindruckenden Sammlung von Prof. Dr. Klaus Struve aus.