1899 – 1986
Mart Stam zählt zu den prägenden Gestaltern der klassischen Moderne. Geboren am 5. August 1899 in Purmerend (Niederlande), entwickelte er früh ein konsequent modernes Verständnis von Gestaltung: industriell, seriell herstellbar und stets im Spannungsfeld von Funktion, Konstruktion und sozialer Verantwortung. Sein Denken reichte vom Möbel über die Leuchte bis hin zum Städtebau.
Internationale Bekanntheit erlangte Stam mit seinem Reihenhaustyp für die Weißenhofsiedlung in Stuttgart (1927), mit dem er neue Maßstäbe im modernen Wohnungsbau setzte. Noch ikonischer wurde jedoch ein Möbelentwurf: der Freischwinger, den Stam 1926 erstmals präsentierte. Aus Experimenten mit Gasleitungsrohren entstand ein Stuhl, der ohne Hinterbeine auskam und damit nicht nur formal, sondern auch konstruktiv Neuland betrat. Der Freischwinger wurde zum Symbol einer neuen, rationalen Formensprache der Moderne.
Stams Weg in die Avantgarde war dabei alles andere als geradlinig. Nach einer Ausbildung als Zeichner in einem Architekturbüro verweigerte er 1920 den Wehrdienst und wurde – wie damals in den Niederlanden üblich – für die Dauer der Dienstzeit inhaftiert. Nach seiner Freilassung verließ er das Land und zog nach Berlin, wo er rasch Anschluss an die internationale Avantgarde fand.
In Berlin knüpfte Stam enge Kontakte zu Vertretern der Bauhaus-Bewegung wie Marcel Breuer und El Lissitzky und wurde selbst als Lehrer am Bauhaus tätig. In dieser Zeit verdichtete sich sein gestalterisches Credo: klare Konstruktion, Verzicht auf Überflüssiges und der Einsatz neuer Materialien wie Stahlrohr als Ausdruck einer sachlichen, zukunftsorientierten Gestaltung. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umbrüche nach dem Ersten Weltkrieg verstand Stam Design als Antwort auf das Bedürfnis nach Ordnung, Funktionalität und sozialer Erneuerung.
Auch seine Entwürfe für Leuchten – wie die bei TECNOLUMEN realisierte Wandleuchte MSW 27 – zeigen dieses Denken in exemplarischer Weise: reduziert, konstruktiv klar und zugleich atmosphärisch. Mart Stam verstand Gestaltung nicht als Stilfrage, sondern als kulturelle Aufgabe – ein Anspruch, der sein Werk bis heute aktuell macht.