Marianne Brandt, 1924
Marianne Brandts Tee-Extraktkännchen aus dem Jahr 1924 gehört zu den eindrucksvollsten Objekten der Bauhaus-Geschichte. Kaum ein Entwurf verdichtet die gestalterischen Prinzipien der Weimarer Metallwerkstatt so konsequent: Kreis, Kugel, Kreuz, Zylinder und Dreieck fügen sich zu einem kleinen, hochpräzisen Objekt, das Funktion und Form in außergewöhnlicher Klarheit verbindet.
Entstanden ist das MBEK 24 am Bauhaus in Weimar – in einer Phase, in der die Metallwerkstatt nach einer neuen, zeitgemäßen Formensprache suchte. Marianne Brandt übertrug diese Idee auf ein Objekt von ungewöhnlicher Konzentration. Das Kännchen war nicht als klassische Teekanne gedacht, sondern zur Zubereitung eines konzentrierten Tee-Extrakts, der anschließend mit heißem Wasser verdünnt wurde. Aus dieser besonderen Funktion entwickelte Brandt eine Form, die bis heute radikal modern wirkt.
Der halbkugelförmige Korpus, der asymmetrisch eingesetzte Deckel, der präzise Ausguss und das kreuzförmige Fußteil machen das Tee-Extraktkännchen zu einem der bekanntesten Entwürfe der Bauhaus-Metallwerkstatt. Jedes Detail folgt einer konstruktiven Logik. Nichts ist dekorativ hinzugefügt, und doch besitzt das Objekt eine beinahe skulpturale Präsenz.
Lange waren weltweit nur acht historische Exemplare bekannt. Sie befinden sich in bedeutenden internationalen Sammlungen, unter anderem im Bauhaus-Archiv Berlin, im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, im Bauhaus-Museum Weimar, in der Stiftung Bauhaus Dessau, im British Museum London, im Metropolitan Museum of Art New York, in der Neuen Galerie New York und in der Kamm Teapot Foundation. 2024 kam ein weiteres Exemplar aus privatem Umfeld Marianne Brandts zur Auktion. Den Zuschlag erhielt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; inklusive Steuern und Gebühren erreichte das Kännchen einen Preis von 340.000 Euro.
Neben der Wagenfeld-Leuchte zählt das Tee-Extraktkännchen zu den wenigen Designikonen, die wie kaum ein anderes Objekt für das Bauhaus stehen. Es verbindet Gebrauch, Material, Geometrie und Haltung zu einer Form, die nicht historisch wirkt, sondern gegenwärtig geblieben ist.
TECNOLUMEN ist das einzige Unternehmen weltweit, das dieses Tee-Extraktkännchen von Marianne Brandt in Handarbeit nach den Originalvorgaben herstellt. Die Fertigung folgt der Idee des Bauhauses nicht als bloße Reproduktion, sondern als präzise Weiterführung: mit handwerklicher Sorgfalt, hochwertigen Materialien und Respekt vor den charakteristischen Proportionen des Entwurfs. Neben der Ausführung in versilbertem Messing mit schwarz gebeiztem Holz ist das Tee-Extraktkännchen auf Anfrage auch in 925 Sterling-Silber erhältlich – eine besonders kostbare Variante dieses außergewöhnlichen Bauhaus-Objekts.
So bleibt das MBEK 24 nicht nur ein Sammlerobjekt, sondern ein Stück angewandter Designgeschichte. Es zeigt, wie weit eine Form tragen kann, wenn sie aus Funktion, Material und gestalterischer Konsequenz entsteht.
László Moholy-Nagy erkannte schon früh ihr einzigartiges Talent. Durch ihn angeregt, studierte Brandt in der Männerdomäne Metallwerkstatt – und war erfolgreicher als manch einer ihrer Kommilitonen.
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